Meine Reise zum Space Coach #5: Warum wir uns so oft missverstehen

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Meine Reise zum Space Coach #5: Warum wir uns so oft missverstehen

Das Gesagte ist selten das Gehörte.

Die ersten Module meiner Coaching-Ausbildung drehten sich vor allem um mich selbst: um Selbstwahrnehmung, Werte und Selbstreflexion. Ich durfte lernen, innezuhalten, genauer hinzuschauen und mich selbst bewusster wahrzunehmen. Mit jedem Modul wurde mir klarer, wie wichtig Selbstführung ist. Denn nur wer sich selbst kennt, kann auch andere begleiten.

Mit dem nächsten Abschnitt der Ausbildung änderte sich der Blickwinkel. Es ging nicht mehr nur um die Frage „Wer bin ich?“, sondern vielmehr darum, wie ich mit anderen agiere, interagiere und welche Kraft Worte und Kommunikation eigentlich haben. Ein unglaublich spannendes Thema – nicht nur, weil ich gerne sondern auch durchaus gern viel rede.

Kennst du diese Situation? Du gehst aus einem Gespräch und denkst: „Das habe ich doch gar nicht so gemeint.“ Oder du hörst eine Aussage, ärgerst dich vielleicht den halben Tag darüber und stellst später fest, dass sie ganz anders gemeint war?

Bisher war für mich die Wortwahl das Wichtigste in der Kommunikation. Meine Reise hat mir aber gezeigt: Da steckt noch viel mehr dahinter. Denn das gesprochene Wort ist das eine. Was bei unserem Gegenüber tatsächlich ankommt, etwas ganz anderes.


📦 Theorie-Box: Vier Ohren hören mehr als zwei

In diesem Modul haben wir uns unter anderem mit dem Vier-Ohren-Modell nach Friedemann Schulz von Thun beschäftigt. Es beschreibt, dass jede Nachricht auf vier verschiedenen Ebenen gesendet und auch gehört werden kann:

  • Sachebene – Welche Informationen oder Fakten werden vermittelt?
  • Selbstoffenbarung – Was verrät der Sprecher über sich selbst?
  • Beziehungsebene – Was sagt die Nachricht über unsere Beziehung aus?
  • Appellebene – Was soll ich jetzt tun oder wie soll ich reagieren?

Das Modell hat mir geholfen, Kommunikation mit anderen Augen zu betrachten. Die eigentliche Erkenntnis entstand für mich allerdings erst im Alltag. In dem Moment, in dem ich begann, mich bei Gesprächen bewusst daran zu erinnern – egal ob mit meiner Familie, meinem Team oder mit Freunden.

Nicht das Modell hat meine Kommunikation verändert, sondern die Bewusstheit, die es geschaffen hat. Die kleine Pause, bevor ich antworte. Die Neugier, noch einmal nachzufragen. Und die Erkenntnis, dass mein Gegenüber dieselben Worte oft ganz anders gemeint hat, als sie bei mir angekommen sind.

Eine dieser Erkenntnisse durfte ich mit meinen Kindern machen. Wenn sie mir etwas erzählen, springe ich oft automatisch in den Lösungsmodus. Ich möchte helfen, eine Idee geben oder direkt eine Antwort liefern. Irgendwann begann ich stattdessen eine ganz einfache Frage zu stellen:

„Was brauchst du gerade von mir?“

Die Antwort überrascht mich bis heute immer wieder: „Eigentlich gar nichts. Ich wollte es dir einfach erzählen.“

Das hat mich zm Nachdenken gebracht. Denn wie oft passiert uns eigentlich genau dasselbe im Umgang mit Erwachsenen, im Beruf?

Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter kommt ins Büro und fragt: „Hast du kurz fünf Minuten?“ Und als Führungskraft beginnt der Kopf sofort zu arbeiten. Welches Problem soll ich lösen? Welche Entscheidung wird jetzt von mir erwartet? Dabei braucht mein Gegenüber vielleicht gar keine Lösung. Vielleicht möchte er einfach mal etwas loswerden, seine Gedanken sortieren, einen Sparringspartner haben oder sich Rückendeckung für eine Idee holen.

Meine Reise hat mir gezeigt, dass gute Kommunikation viel weniger mit Antworten zu tun hat, als ich lange gedacht habe. Sie beginnt mit echtem Zuhören. Und manchmal mit einer einzigen Frage: „Ich habe dich gehört und folgendes verstanden..... Ist das richtig?“

Für mich liegt darin ein entscheidender Unterschied. Ich mache deutlich, dass es meine Wahrnehmung ist. Ich übernehme Verantwortung für meine Interpretation, statt davon auszugehen, dass der andere sich unklar ausgedrückt hat.

Erstaunlich oft entstehen genau in diesem Moment kleine Aha-Erlebnisse. Plötzlich stellen wir fest, dass wir dasselbe Gespräch geführt – und doch etwas völlig Unterschiedliches gehört haben. Und genau das fasziniert mich heute an Kommunikation: Es geht nicht darum, jedes Modell auswendig zu kennen oder immer die richtigen Worte zu finden. Es geht darum, neugierig zu bleiben und sich bewusst zu machen, dass die eigene Wahrnehmung eben genau das ist: die eigene Wahrnehmung.


Food for Thought

Vielleicht geht es beim Zuhören gar nicht darum, möglichst schnell zu verstehen. Vielleicht geht es vielmehr darum, die eigene Interpretation für einen kurzen Moment zur Seite zu legen, neugierig zu bleiben, nachzufragen und dem anderen die Chance zu geben, wirklich verstanden zu werden.

Denn Verstehen beginnt oft genau dort, wo wir aufhören anzunehmen.

Und manchmal hilft dabei sogar etwas ganz Einfaches: Bewegung. Viele meiner besten Gespräche entstehen nicht am Küchentisch oder im Sitzungszimmer, sondern draußen. Bei einem Spaziergang durch den Wald, einer Runde durchs Dorf oder Quartier oder einfach unterwegs nebeneinander.

Bewegung bringt nicht nur den Körper in Schwung, sondern oft auch die Gedanken. Gespräche werden leichter, fokussierter und kreativer. Das funktioniert privat genauso gut wie beruflich – zum Beispiel bei einem 1:1, das einfach mal zum Walk & Talk wird.

Vielleicht ist genau das ein kleiner Impuls für dein nächstes Gespräch.


🔹 BizHack

Eine der wertvollsten Veränderungen in meinem Führungsalltag war nicht, bessere Antworten zu geben, sondern bewusster zuzuhören und nachzufragen. Gerade bei wichtigen Gesprächen spiegle ich deshalb häufiger zurück, was bei mir angekommen ist, fasse es zusammen und hole mir die Bestätigung - „Ich habe das so verstanden. Ist das richtig?“

Allein dieser Satz schafft Klarheit, bevor aus unterschiedlichen Interpretationen Missverständnisse werden. Genauso hilfreich finde ich die Frage: „Was brauchst du gerade von mir?“ Möchte mein Gegenüber einfach mal etwas loswerden? Sucht es Sparring? Braucht es mein Backing für eine Idee oder Entscheidung? Oder tatsächlich meine Hilfe bei einer Lösung?

Diese kurze Klärung kann die Richtung eines ganzen Gesprächs verändern – und verhindert, dass ich als Führungskraft schon losrenne und Lösungen produziere, obwohl etwas völlig anderes gebraucht wird.


🔹 LifeHack

Auch zuhause versuche ich, weniger anzunehmen und häufiger nachzufragen. Gerade bei Kindern oder in der Partnerschaft kann ein „Wie hast du das genau gemeint?“ schon reichen, um eine Situation ganz anders zu verstehen.

Und wenn mir jemand von einem Problem erzählt, hilft mir die Frage: „Was würde dir jetzt helfen?“ Vielleicht braucht mein Kind gerade eine Idee. Vielleicht möchte es Unterstützung. Vielleicht will mein Partner meine Sicht hören. Oder vielleicht möchte mein Gegenüber einfach nur erzählen und gehört werden.

Eigentlich ganz einfach. Und trotzdem erwische ich mich immer wieder dabei, wie schnell der eigene Kopf interpretiert, bewertet oder schon nach einer Lösung sucht.

Vielleicht müssen wir also gar nicht immer besser reden. Vielleicht dürfen wir einfach öfter besser zuhören.


Wenn du Lust hast, mich auf meiner Reise zu begleiten, dann bleib hier, folge mir und lass auch gern ein Kommentar da.

Und wenn dich das Thema Space Coach neugierig macht, schaue direkt vorbei.

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