Meine Reise zum Space Coach #6 - Nicht jede Antwort braucht eine Lösung
Manchmal ist eine gute Frage stärker als jede Antwort.
Ich bin ein Mensch, der gerne Dinge voranbringt. Organisieren, strukturieren, entscheiden, Lösungen finden – das gehört zu mir. Und genau deshalb kenne ich diesen Reflex ziemlich gut: Jemand erzählt mir von einem Problem und mein Kopf ist schon drei Schritte weiter. Was könnte man tun? Wie lässt sich das lösen? Was wäre der nächste Schritt?
Gut gemeint – aber eben nicht immer das, was mein Gegenüber gerade braucht.
Nach dem Vier-Ohren-Modell aus meinem letzten Beitrag ging meine Reise deshalb noch einen Schritt weiter. Ich begann nicht nur bewusster darauf zu achten, was ich höre, sondern auch darauf, was nicht gesagt wurde – und bewusst nicht sofort nach Lösungen zu suchen.
Einfach zuhören. Nachfragen. Und manchmal auch aushalten, dass ich gerade keine Antwort habe. Denn vielleicht braucht es gar nicht immer die richtige Antwort. Vielleicht braucht es manchmal einfach die richtige Frage.
📦 Theorie-Box: Die Kraft guter Fragen
In diesem Modul haben wir uns unter anderem mit dem Metamodell der Sprache beschäftigt. Die Grundidee dahinter: Unsere Gedanken und Erlebnisse sind viel komplexer, als wir sie in Worte packen können. Deshalb tilgen, generalisieren oder verzerren wir Informationen – meist völlig unbewusst.
Aus einem schwierigen Tag wird dann schnell: „Heute ist einfach alles kacke.“
Eine mögliche Frage: „Was genau war heute kacke?“
Oder aus mehreren erfolglosen Versuchen wird: „Das funktioniert nie.“
Die Frage dazu: „Was genau hat bisher nicht funktioniert?“
Solche Fragen holen uns weg von pauschalen Aussagen und machen sichtbar, was eigentlich dahintersteckt.
Daneben haben wir mit weiteren Frageformen gearbeitet, die neue Perspektiven öffnen können – zum Beispiel Skalierungsfragen, Zukunftsfragen oder Fragen, die bewusst einen anderen Blickwinkel einnehmen.
Eine gute Frage muss die Antwort nicht enthalten. Manchmal reicht es, wenn sie einen neuen Denkraum öffnet.
Genau das fand ich spannend: Ich musste nicht mehr sofort überlegen, was ich meinem Gegenüber raten könnte. Ich konnte neugierig bleiben und fragen.
Dabei habe ich beobachtet, dass häufig etwas spannendes passiert: Menschen erzählen weiter, Gedanken sortieren sich, aus einem diffusen Problem wird etwas Konkreteres – und manchmal entsteht die Lösung bereits im Erzählen.
Das verändert für mich auch, was Begleiten bedeutet. Nicht den besseren Rat zu haben oder den Weg schon zu kennen.
Es bedeutet vielmehr, einen Raum zu schaffen, in dem der andere seinen eigenen Weg entdecken kann.
Und genau hier schließt sich für mich auch der Kreis zum Thema Empowerment. Denn wenn ich meinem Gegenüber nicht sofort meine Lösung präsentiere, gebe ich nicht weniger Unterstützung. Im Gegenteil: Ich traue ihm zu, selbst zu denken, Möglichkeiten zu entdecken und den eigenen nächsten Schritt zu finden.
Das gilt für mich als Coach genauso wie als Führungskraft, Mutter oder einfach als Mensch, dem jemand etwas erzählt.
Food for Thought
Wir leben in einer Welt, in der schnelle Antworten oft belohnt werden. Wer eine Lösung hat, wirkt kompetent. Wer sofort weiß, wie es weitergeht, gibt scheinbar Orientierung.
Vielleicht liegt eine andere Form von Stärke aber manchmal darin, nicht sofort zu antworten. Eine Pause auszuhalten. Noch eine Frage zu stellen. Und darauf zu vertrauen, dass mein Gegenüber möglicherweise schon viel mehr von seiner eigenen Lösung in sich trägt, als man denkt.
Natürlich heißt das nicht, dass wir nie wieder einen Rat geben dürfen. Der wird weiterhin gebraucht. Vielleicht lohnt es sich nur, vorher kurz herauszufinden, ob überhaupt ein Rat gewünscht bzw. gefragt ist.
🔹 BizHack
Gerade als Führungskraft finde ich den Unterschied zwischen Lösen und Befähigen entscheidend. Wenn jemand mit einem Problem zu mir kommt, muss meine erste Reaktion nicht automatisch sein, eine Antwort zu liefern. Fragen wie „Was hast du bisher ausprobiert?“, „Was wäre für dich eine gute Lösung?“ oder „Was brauchst du von mir?“ lassen die Verantwortung dort, wo sie hingehört – und machen mich trotzdem zum Sparringspartner.
Auch Skalierungsfragen finde ich dafür überraschend hilfreich. Viele meiner Mitarbeiter und ehem. Mentees kennen diese bereits sehr gut.
Zum Beispiel im 1:1: „Wie zufrieden bist du derzeit mit deiner Rolle oder deinen Aufgaben – auf einer Skala von 1 bis 10?“ Spannend wird es vor allem mit der nächsten Frage. Angenommen, die Antwort ist eine 5: „Was müsste sich verändern oder was brauchst du, damit daraus eine 6 wird?“
Plötzlich reden wir nicht mehr abstrakt darüber, dass etwas „nicht so gut läuft“, sondern über einen konkreten nächsten Schritt. Und die Idee dafür kommt nicht automatisch von mir als Führungskraft, sondern entsteht im Gespräch.
Genau das ist für mich Empowerment: nicht das Denken abzunehmen, sondern es anzuregen.
🔹 LifeHack
Mit Kindern erlebe ich die Kraft guter Fragen noch einmal anders. Ein „Alles war heute doof!“ muss nicht sofort beruhigt, relativiert oder mit einem gut gemeinten Rat beantwortet werden. Manchmal frage ich einfach: „Was genau war denn heute doof?“
Und plötzlich war eben doch nicht alles schlecht. Vielleicht war es die Pause. Ein Streit mit einer Freundin oder einem Freund. Eine schlechte Note. Oder eine Situation, in der sich mein Kind ungerecht behandelt gefühlt hat.
Dann kann ich weiterfragen: „Was würde dir jetzt guttun?“ oder „Was könnte dir beim nächsten Mal helfen?“
Und manchmal braucht es auch gar keine weitere Frage. Dann darf ich einfach zuhören und aushalten, dass ich gerade nichts lösen muss.
Da sein, neugierig bleiben – und darauf vertrauen, dass nicht jede Lösung von mir kommen muss.
Wenn du Lust hast, mich auf meiner Reise zu begleiten, dann bleib hier, folge mir und lass auch gern ein Kommentar da.
Und wenn dich das Thema Space Coach neugierig macht, schaue direkt vorbei.